wenn Inkonsistenz zum Maßstab wird
Macht · Bewertung · Status
Nicht jede Inkonsistenz wird gleich bewertet.
Manche fällt kaum auf.
Andere wird sofort benannt.
Bei manchen wirkt sie menschlich.
Bei anderen wie ein Fehler.
Und oft liegt der Unterschied nicht im Verhalten.
Sondern in der Person.
Wer spricht?
Wer wird gehört?
Und wessen Maßstab gilt?
Denn Inkonsistenz ist selten nur eine Beobachtung.
Oft ist sie auch ein Urteil.
„Du bist widersprüchlich.“
Das klingt neutral.
Ist es aber nicht immer.
Manchmal bedeutet es:
Du bist nicht verlässlich.
Du bist nicht klar.
Du bist nicht integer.
Und manchmal bedeutet es einfach nur:
Du passt gerade nicht in das Bild,
das ich von dir habe.
Oder in die Rolle,
die ich dir zuweise.
Denn je nach Position verändert sich, was als konsistent gilt.
Menschen mit Status dürfen sich oft mehr erlauben.
Sie dürfen ihre Meinung ändern.
Kontexte berücksichtigen.
Sich widersprechen.
Und es wirkt:
reflektiert.
differenziert.
stark.
Andere tun das gleiche. Und es wirkt:
unsicher.
unentschlossen.
problematisch.
Das Verhalten ist ähnlich.
Die Bewertung nicht.
Und genau hier wird
Inkonsistenz zum Instrument.
Nicht um zu verstehen.
Sondern um einzuordnen.
Oder zu korrigieren.
Oder klein zu halten.
Denn wer den Maßstab setzt,
entscheidet auch,
was als Abweichung gilt.
Und plötzlich geht es nicht mehr darum,
ob etwas wirklich widersprüchlich ist.
Sondern darum,
wer es benennt.
Und mit welcher Wirkung.
Vielleicht ist die Frage also nicht nur:
Bin ich inkonsistent?
Sondern auch:
Wer bewertet das?
Und aus welcher Position heraus?
Denn nicht jede Rückmeldung ist neutral.
Und nicht jede Inkonsistenz ist ein Problem.
Aber manchmal
wird sie genau so benutzt.
Und vielleicht beginnt Klarheit genau dort.
Nicht nur im eigenen Verhalten.
Sondern auch darin,
zu erkennen,
wenn ein Maßstab gerade verschoben wird.
Und für wen er gilt.
Vielleicht nicht immer offensichtlich.
Aber spürbar.
Und vielleicht reicht genau das,
um anders damit umzugehen.
Bis bald,
Maike
Vielleicht verschiebt sich genau dort etwas weiter –
nicht nur, wer bewertet, sondern auch, was daraus entsteht.
Vielleicht ist jetzt Raum für Wo es kippt.
Dieser Text gehört zur Reihe Inkonsistenz.
Die anderen Gedanken findest du dort und in den Zwischenräumen.